Biographie
Sharyhan

 

Miniaturen des Lebens - Stimmungsbilder des Seins

Sharyhan und ihre Geschichten, die das Leben schreibt

Die Vita der 25-jährigen Sängerin und Halbägypterin Sharyhan liest sich, wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Pralles Leben füllt die Seiten der Geschichte. Vor etwas über zwei Jahren macht sie bei der Vorauswahl für „Unser Star für Oslo“ einen Riesensatz unter die besten Fünf und begeistert ein Millionenpublikum. Und zwar mit eigenen Stücken! Sharyhan hat sogar schon eine fertige CD im Schrank stehen. Die zwar nie erschienen ist, aber dennoch einen Preis abgeräumt hat. Jetzt steht mit „My Year“ das aktuelle Album in den Startlöchern. Eins, dass vor musikalischem Feingefühl nur so strotzt. Und eins, das sie coproduziert hat.

Musik in den Genen

Das mit der Musik muss bei Sharyhan in den Genen liegen. „Meine Mutter ist Opernsängerin“, erklärt sie, „der Großvater war Kammersänger, die Oma ist Musiklehrerin, die Brüder der Mutter sind Schauspieler, ein Onkel war Leiter des Hessischen Rundfunkorchesters und unter den Tanten tummeln sich Balletttänzerinnen und Geigerinnen.“ Mehr geballte Familienkreativität geht nicht. „Bereits im Mutterbauch wurde ich mit Musik beschallt und schon in frühester Kindheit haben meine Mutter und ich viel gesungen“, fügt sie an, „ich kann mich sogar erinnern, dass ich als kleines Kind schon abstruse, selbstgebaute  Melodien gesungen habe.“ Doch nicht alles glänzt im Sonnenlicht. Wo Licht ist muss auch irgendwo Schatten sein. Sharyhan wächst zunächst im ägyptischen Kairo, der Heimat des Vaters auf. Der wiederum ist den kreativen Anwandlungen von Frau und Tochter nicht wirklich wohl gesonnen. So staut sich einiges auf im hellen Köpfchen der kleinen Sharyhan. „Es war so viel in mir drin, was unbedingt raus musste“ erinnert sie sich, „ich habe damals in Kairo angefangen zu schreiben. Geschichten. Jeden Tag. So viel, dass ich mit elf Jahren sicher war, es würde für ein Buch reichen.“ Das Schreibtalent von Sharyhan ist ihr geblieben. Bis heute. Und über viele Lebensstationen. Von Kairo in den bayerischen Wald, anschließend nach München, wieder zurück nach Kairo, nach London und nach Stockholm. Jedoch erzählt sie ihre Geschichten heute musikalisch. Mit ihren Liedern. Dort ziseliert Sharyhan Miniaturen des Lebens. Stimmungsbilder des Seins.

In der Ferne so nah

Wenn Sharyhan irgendwo auf dieser Welt durch die Straßen läuft, beobachtet sie die Menschen. Sie braucht dieses in-die-Ferne-schweifen, auch wenn es heißt, dass das Gute so nah liegt. Denn durch den in der Ferne gewonnenen Abstand, sieht sie die Dinge klarer. Die Nahen. Die Fernen. Und die in sich selber. „Das Abenteuer des Weggehens führt dazu, dass ich die Geschichten greifen kann, die mir schon länger durchs Hirn geistern“, lächelt die Künstlerin, „ich muss der alltäglichen Ablenkung entfliehen. Ich brauche mich so wie ich bin. Pur. Und angefüllt mit Ruhe. Dann finden die Geschichten, die schon in mir angelegt sind ihren Weg nach draußen und die, die draußen bereits auf mich warten, den Weg in mein Innerstes.“ Dass gut Ding Weile haben will und viele Dinge reifen müssen , um gut zu werden, dass ist für Sharyhan längst kein Geheimnis mehr. „Eine gute Geschichte verfestigt sich in meinen Gedanken und kommt wieder und wieder“, reflektiert sie den Entstehungsprozess ihrer Stücke, „die Geschichte klopft immer aufs Neue an. Irgendwann drängt sie so stark, dass ich weiß, darüber will ich schreiben. Jetzt. Sofort.“ So entsteht in London „In The City“, das Lied, das Menschen in der Stadt nachspürt: dem Menschlichen, dem Allzumenschlichen, dem alten Elvisimitator ohne Zähne, der ihr seine CD schenkt, den Kindern, die unschuldig auf den Straßen tanzen und singen und dem geheimnisvollen Einschussloch, gleich neben ihrem Fenster. In Kairo wächst „Feel The Nile“ heran. Dabei handelt es sich um das älteste Stück auf der Platte. „Dies habe ich geschrieben, als ich nach Jahren zum ersten Mal wieder in Kairo war“, sagt Sharyhan und ist dabei ganz weit weg. Sie sitzt dabei am Nil, dem Geschenk der Götter. Sie sitzt dort mit einem wunden Herz und einer Seele voller Narben. Und doch verbirgt sie im arabischen Ende des Liedes ein tiefes Bekenntnis: „Ich war noch niemals so lebendig wie jetzt.“ Weiter geht die Sharyhans Klangreise und macht Station in Schweden und beschäftigt sich im Stück „Not Into You“ mit Luftschlössern. Mit den Sehnsüchten, Träumen und Wünschen, die diese ganz speziellen Schlösser ihr Zuhause nennen. Auch die erste Single „Red Carpet“ entsteht dort. Was vielleicht auf den ersten Blick bruchstückhaft wirkt, ist es nicht. Die Lieder sind Kapitel aus dem Buch des Lebens, die einzeln Bestand haben. Aber die Wirkung ist noch mal anders, wenn das ganze Buch gelesen wird. Wenn jemand mit Fug und Recht sagen darf, es gehe um Geschichten, die das Leben schreibt, dann Sharyhan!

Zerbrechlich, doch von orientalischer Pracht

Ist es doch bekannt, dass ein Lied in allen Dingen schläft und die Welt bei demjenigen anhebt zu singen, der das Zauberwort trifft. Das geht Sharyhan leicht und locker von den Lippen. Der Beweis dafür sind ihre kraftvollen Stücke, die gleich mehrere Energieladungen auf einmal transportieren können und denen dabei prächtige orientalische Klang-Glanzlichter aufgesetzt werden. Wie etwa im hymnisch monumentalen „Another me“ oder im bereits angesprochenen „I Feel the Nile.“ Wenn ihre eigenen Kompositionen mal zerbrechlich tönen, sind sie doch stets in höchstem Maße vital. Es sind immer lebenskräftige Lieder, wie etwa „Miss You.“ Sharyhan ist authentisch. Durch und durch. Hat eine wandelbare Stimme mit so viel explosivem Gefühl, das kein Stück je die Chance hätte, wie Musik von der Stange zu klingen. Um diesen Klangkosmos jedoch in all seinen Facetten auf CD zu bannen, bedarf es geschickter Hände und eines offenen Geistes auf Produzentenseite. „Beides hat der junge Hamburger Produzent Philipp Schwär, der in Franz Plasas Home-Studios arbeitet“, weiß die Sängerin, „zudem hat er ein grandioses musikalisches Gespür, dass ihm sofort sagt, ob etwa der Gesang den großen Raum oder das winzige Zimmer braucht und das auch aus dem stand weiß, dass ganz bestimmte Schlagzeugmuster nur so klingen, wie sie klingen müssen, wenn sie in der Toilette aufgezeichnet werden.“ Da ist beim Einspielen im Studio offenbar kein Deut des großen Kolorits auf der Strecke geblieben. Respekt! „Ich will mit meinem Album Erfolg haben“, ist Sharyhans Credo, „aber ich will auch zu hundert Prozent dahinter stehen können.“ Beides sollte mit der Platte „My Year“ problemlos gelingen. Weil es einfach ihr Jahr ist. Definitiv.

Franz X.A. Zipperer
Sharyhan Osman

My Year

 

 04/2012


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